Qualitätsmanagement

Grundlagen

Die ipw orientiert sich seit ihrer Gründung 2001 an internationalen Grundsätzen der psychiatrischen Versorgungswissenschaft, welche die Bedarfs- und Zielorientierung, die Prävention und Früherkennung, die ergebnisorientierte Qualitätssicherung, die Evidence Based Medicine sowie die laufende Bewertung von Public Mental Health Daten besonders gewichten (WHO; Jenkins, R. et al. 1999).

Folgendes wurde im Sinne eines Leitgedankens hierzu festgehalten: "Unsere Arbeit ist effizient, qualitäts- und bedarfsorientiert. Personelle und finanzielle Ressourcen werden wirksam und nachhaltig eingesetzt. Unser Angebot orientiert sich flexibel am Bedarf. Es wird kontinuierlich und innovativ weiterentwickelt. Unsere Arbeit ist einer hohen Qualität verpflichtet. Wir entwickeln ein Qualitätsmanagement und sichern die Qualität systematisch."

Behandlungsevaluation der Ärztlichen Direktion

Die ipw führt systematische Ergebnis-, Prozessqualitätsmessungen und Patientenzufriedenheitsbefragungen und punktuelle wissenschaftliche Evaluationsstudien der Behandlungsleistungen durch und stellt dazu Ressourcen zur Verfügung. Sie führt eine Abteilung für Behandlungsevaluation zur laufenden Entwicklung und ständigen Überprüfung und Bewertung ihres Versorgungsangebotes und arbeitet in Evaluations- und Forschungsstudien mit Forschungspartnern zusammen. Die langjährigen Erfahrungen in konzeptionellen Fragen zu bzw. der praktischen Umsetzung von Qualitätsmessung bei psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlungen haben ihren Niederschlag in verschiedenen regionalen und nationalen Projekten gefunden.

Messung der Ergebnisqualität (Outcome)

Das klinische Qualitätsmanagement der ipw wurde als Konzept Qualip-W in einem Teilprojekt der Integrierten Psychiatrie Winterthur 2001-2003 entwickelt. Es fokussiert nach einem international etablierten Ansatz die Leistungen der ipw an den PatientInnen und ist ergebnisorientiert. Das Prinzip ist die Messung von Behandlungseffekten mittels standardisierten Fragebögen und die fortwährende aktuelle Auswertung und Rückmeldung der Ergebnisse an Fallführende, Teams und Leitungsverantwortliche. Auswertung und Rückmeldung erfolgen sowohl auf Einzelfallebene während und nach einem Behandlungsprozess, wie auch gruppenstatistisch z.B. als Kennziffern für alle Behandlungsfälle auf einer Station während eines halben Jahres. Zentrales Instrument im Konzept Qualip-W ist die Software Q-Tools, in welche die Basisdokumentation und die Messinstrumente bzw. die Erhebungsregeln integriert sind und welche von allen Standorten der ipw aus direkt und unmittelbar Dateneingabe, Ergebnisfeedback und statistische Analysen erlaubt (Daten und Grafiken). Die Datenerhebungen werden durch die fallführenden Ärzte oder Psychologen durchgeführt (Einschätzung der Symptombelastung und des Wohlbefindens mittels Fremdratings) bzw. durch Patientenbefragungen (Einschätzung der Symptombelastung, des Wohlbefindens und der Lebensqualität durch validierte Messinstrumente).

Messung der Prozessqualität

Das Behandlungsmonitoring im Sinne der kontinuierlichen fallbezogenen Ergebnisrückmeldung steht im Zentrum der Prozessqualität. Es ermöglicht den Behandelnden, Schwächen und Probleme im therapeutischen Prozess zu erkennen und ihre eigene Arbeit qualitätssichernd durch fragebogengestütztes Datenmaterial zu begleiten. Die Abteilung Behandlungsevaluation unterstützt die Angebote bei der Konzeption und Umsetzung eines zweckmässigen Monitorings. Die angebotsspezifischen Messinstrumente (Selbst- und Fremdrating) werden in die Q-Tools integriert, die Messergebnisse sind dadurch jederzeit und unmittelbar zugänglich.

Die Art der Ergebnisrückmeldung findet in Form von Einzel-Supervisionen, in problemlösungsorientierten Fallbesprechungen, in Team-Feedbackrunden oder in Qualitätszirkeln statt. Wichtig ist, dass - unabhängig vom jeweiligen Setting - die Ergebnisrückmeldung nicht primär kontrollierenden und bewertenden Charakter erhalten, sondern in einem fortbildenden und problemlösungsorientierten Kontext erfolgen.

Mit dem Qualitätsmonitoring werden nicht zuletzt die Gesprächskultur innerhalb und allenfalls auch zwischen kooperierenden Institutionen gefördert.

An Feedbackrunden nimmt die Abteilung Behandlungsevaluation projektbezogen teil.

Stellungnahme der ipw zur Publikation der ANQ-Ergebnisse zur Symptombelastung der Erwachsenenpsychiatrie

Winterthur, 14. Januar 2016 

Die Integrierte Psychiatrie Winterthur-Zürcher Unterland ipw begrüsst und unterstützt die seit 2012 schweizweit einheitlich durchgeführten Ergebnisqualitätsmessungen in der stationären Psychiatrie. Im Rahmen der erstmaligen Veröffentlichung der ANQ-Messergebnisse möchte die ipw auf folgende bisher bestehende Schwachstellen im Mess- und Auswertungskonzept hinweisen:

Zentrale Leistungs- und Umfeldfaktoren bisher nicht berücksichtigt  

Die psychiatrischen Kliniken der Schweiz unterscheiden sich in Grösse, Leistungsauftrag und Behandlungsangebot erheblich, vor allem hinsichtlich der Verpflichtung zur Aufnahme von Hochakut-Fällen und Fällen mit fürsorgerischer Unterbringung (FU). Solche Strukturvariablen haben eine grosse Auswirkung auf die mögliche Behandlungsqualität, diese werden aber im Mess- und Auswertungskonzept von ANQ bei der Risikoadjustierung nicht berücksichtigt, ebenso wenig wie aus klinischer Sicht für den Behandlungsverlauf relevante Faktoren wie Chronizität und Komorbidität. 


Fehlende Repräsentativität des Patientenerhebungs- bogens   

Gewisse Patientengruppen werden in den Ergebnissen nicht adäquat repräsentiert. Insbesondere notfallmässig und anfangs unfreiwillig auf Akutstationen eintretende Patienten und gerontopsychiatrische Patienten lehnen mehrheitlich  die Erhebung des Patientenfragebogens BSCL ab oder zeigt sich aufgrund ihres Gesundheitszustandes damit überfordert. Für diese Patientengruppen ist die Aussagekraft wegen der entsprechend tiefen Rücklaufquote eingeschränkt.  

Nichtberücksichtigung von Qualitätsdaten für kurze Behandlungen

In der ipw betrug der Anteil an stationären Behandlungen mit einer Dauer unter einer Woche 2014 rund 39%. Behandlungen mit einer Dauer unter einer Woche werden aber in den ANQ-Messungen nicht berücksichtigt, obwohl sie für die ipw ein programmatisch wichtiger Teil gemäss der gemeindenahen und integrierten Versorgungsmaxime darstellen (mit in der Behandlungskette gut koordiniertem Zusammenspiel von kurzen stationären Behandlungen mit tagesklinischer oder ambulanter Versorgung). 

Die ipw begrüsst es, dass die oben genannten Messprobleme derzeit in verschiedenen ANQ-Expertengremien bearbeitet werden und ist zuversichtlich, dass dadurch künftig aussagekräftige Qualitätsvergleiche zwischen einzelnen Kliniken möglich werden. 

Für Fragen zum Messkonzept der ANQ, deren Umsetzung in der klinischen Praxis und zu den Ergebnissen steht Ihnen der Qualitätsbeauftragte der ipw, lic. phil. Christopher Schuetz gerne zur Verfügung: Telefon 052 224 35 20;
christopher.schuetz@ipw.zh.ch